Arthrose – Der Mensch ist so jung wie seine Gelenke

Allgemeines zur Arthrose

Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Arthrose. Arthrose (Arthrosis deformans) ist eine degenerative, entzündliche Gelenkerkrankung, die meist mit zunehmendem Alter auftritt. Als Folge von jahrzehntelanger Beanspruchung, aber auch durch Über- bzw. dauerhafte Fehlbelastung kommt es zur Abnutzung der Knorpeloberfläche eines Gelenks. Häufig betroffen sind nicht nur Hüft-, Knie-, Sprung- und Schultergelenke, sondern auch die Wirbelsäule. Kleine Gelenke wie Finger und Zehen haben häufig ebenfalls eine Disposition für Arthrose.
An dieser Stelle haben wir Wissenswertes zu Anzeichen, Diagnostik und Therapie verschiedener Gelenkarthrosen für Sie zusammengestellt. Sie erfahren Sie mehr über Ursachen und Symptome sowie die verschiedenen Diagnoseverfahren. Außerdem informieren wir Sie, wie mit unterschiedlichsten konservativen Behandlungsmethoden schonend geholfen werden kann. Schließlich gehen wir auch auf jene Methoden ein, die als operativ bezeichnet werden. Sie kommen zum Einsatz, wenn konservative Maßnahmen nicht zum Erfolg führen.

Therapien statt vorschnelle Operation

In der MedBaltic wird die Operation als letztes Mittel gesehen. Vorher setzen wir alle physiotherapeutischen oder physikalischen Therapieverfahren ein, die geeignet sein können, Schmerzfreiheit zu erreichen. Bei Bedarf kombinieren wir sie mit Medikamenten.

Jeder Behandlungsschritt ist individuell abgestimmt und beruht auf einer ausführlichen Diagnose. Zu jeder Behandlung gehört eine eingehende Beratung: Der Patient erhält wichtige Informationen darüber, was er selbst tun kann, um das Fortschreiten einer Krankheit zu verhindern oder den Alterungsprozess allgemein zu verzögern.

Arthrose: Ursachen und Symptome

Zahlreiche Faktoren begünstigen die Entstehung von Arthrose. Da die Gelenkknorpel keine Nerven besitzen, bleibt diese aber oft lange Zeit unbemerkt. Ein erster Hinweis auf den Beginn oder das Vorhandensein einer Arthrose ist meist ein unspezifischer Gelenkschmerz bei starker Belastung.

Bei Arthrose wird die Knorpeldicke des betroffenen Gelenks geringer, die Oberfläche wird aufgeraut und die Gleitfähigkeit nimmt ab. Zusätzlich kommt es zu Entzündungsreaktionen in der Gelenkinnenhaut, wodurch Enzyme freigesetzt werden, die u.a. den noch intakten Knorpel angreifen. Ist die Zerstörung so weit fortgeschritten, dass der Knochen freigelegt ist, reiben die Gelenkanteile aneinander. Es kommt zu Schmerzen und zu einer Funktionseinschränkung des Gelenks.
Der natürliche Verlauf der Erkrankung würde zur kompletten Annäherung der knöchernen Gelenkspartner mit einer fast totalen Versteifung des betroffenen Gelenks führen.

Häufige Ursachen

  • Mangelhafte Anlage oder Ausbildung von Gelenken oder Gelenkpartnern während des Wachstums (Dysplasie)
  • Nicht anatomisch ausgeheilte Gelenkserkrankungen (z.B. Osteochondrosis dissecans) oder nicht anatomisch ausgeheilte Knochenbrüche mit Gelenkbeteiligung durch Inkongruenz, d.h. nicht der Form angepasste Gelenkpartner
  • Minderdurchblutung mit Absterben der knorpeltragenden Knochenanteile (Avaskuläre Nekrosen, z. B. Ahlbäcksche Krankheit)
  • Chronische entzündliche Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis: Bei rheumatischen Erkrankungen kommt es durch eine Störung des Immunsystems von der Gelenkschleimhaut ausgehend zur direkten entzündlich bedingten Knorpelschädigung. Auch Blut enthält knorpelschädigende Abbauprodukte, welche zu einer frühzeitigen Knorpelschädigung führt.
  • Fehlbelastungen durch Fehlstellungen von Gelenken, z. B. Achsenfehlstellung durch O- oder X-Beine (Diese können angeboren oder kindlich bzw. jugendlich erworben sein. Auch eine Entstehung nach einer nicht anatomischen Ausheilung von Knochenbrüchen oder infolge einer Meniskusentfernung ist möglich.)
  • Beinlängendifferenzen mit asymmetrischer Belastung
  • Überbeanspruchung der Gelenke durch Schwerarbeit oder Spitzensport (Fußball, Basketball)
  • Rückbildung des Knorpels durch Bewegungsmangel und Ruhigstellung der Gelenke
  • Familiäre Disposition („geerbt”, meist mütterlicherseits)
  • Schädigung vor allem der gewichtbelasteten Gelenke wie Hüfte, Knie und Sprunggelenk durch Übergewicht

Arthrose: Diagnostik und Therapie

Der Orthopäde ist Ihr Ansprechpartner für alle Gelenkbeschwerden, gerade auch für Arthrose. Zunächst stellt er eine Verdachtsdiagnose, die dann mittels bildgebender Diagnostik abgeklärt wird. Die Behandlung der Arthrose gliedert sich grundsätzlich in konservative und operative Maßnahmen.

Anhand der Symptomschilderung durch den Patienten und anhand einer gezielten körperlichen Untersuchung des betroffenen Gelenks wird zunächst durch den behandelnden Orthopäden eine Verdachtsdiagnose gestellt. Diese wird als nächstes mittels bildgebender Diagnostik überprüft. Moderne bildgebenden Verfahren, wie etwa Computertomografie (CT) und Kernspintomografie (MRT) können die Diagnosefindung heute wesentlich erleichtern.

Die Behandlung der Arthrose gliedert sich grundsätzlich in nichtoperative (konservative) und operative Maßnahmen. Die konkreten Therapieformen richten sich nach dem Krankheitsstadium sowie dem subjektiven Beschwerdebild des Patienten und müssen nach einer individuellen Abstimmung gewählt werden.

Konservative Therapiemaßnahmen können zwar nicht in allen Fällen eine Operation vermeiden, aber zumeist verzögern und Schmerzen lindern. In Zukunft werden vor allem knorpelstärkende Medikamente, Gelenkinjektionen mit Hyaluronsäure und körpereigenen Wachstumsfaktoren die einen höheren Stellenwert haben.

Diagnostik
Konservative Therapie
Medikamente und Wirkstoffe
Operative Therapie

Die klinische Untersuchung zeigt eventuell eine Bewegungseinschränkung mit Schmerzen sowie Bandinstabilitäten, Meniskusschäden am Kniegelenk oder Schwellungen. Zur genauen Abklärung gibt es verschiede Diagnosetechniken. Anhand einer Röntgenaufnahme können je nach Schweregrad Gelenkspaltverschmälerung oder Umbaureaktionen des Knochens erkannt werden. In speziellen Fällen müssen zusätzlich moderne bildgebende Verfahren wie Computertomographie, Kernspintomographie oder auch Sonographie (Ultraschall) eingesetzt werden. In Zukunft wird für die Beurteilung des Gelenkknorpels vor allem die Kernspintomographie das Diagnoseverfahren der Wahl sein.

Röntgen

Mit einer einfachen Röntgenaufnahme kann der Beginn einer Arthrose, auch wenn der Patient noch keine Dauerschmerzen hat, sehr gut diagnostiziert werden. Anzeichen einer Arthrose sind:

  • Gelenkspaltverschmälerung
  • Osteophytäre Randzackenbildung (Knochenzuwachs am Rand)
  • Zystenbildung unterhalb des verbrauchten Gelenkknorpels
  • Verschärfungen der Gelenklinien (Sklerosierung) durch Knochenanbau
  • Deformierung der gelenkbildenden Knochen

Magnetresonanztomografie

Schnittbilder durch Magnetresonanztomografie, bzw. Kernspintomografie (MRT) können Knorpeldefekte bereits in früheren Stadien der Arthrose genauer differenzieren oder aktivierte Stadien einer bestehenden Arthrose bzw. Durchblutungsprobleme am Knochen (Ödem) abgrenzen. In Bezug auf die Tiefe der Schädigung unterscheidet man vier verschiedene Schweregrade:

Grad I: Verfärbung und Erweichung des Knorpels
Grad II: Aufrauung der Oberfläche mit kleinen Rissen
Grad III: Kraterförmiger Defekt der fast bis zum Knochen reicht
Grad IV: Kompletter Knorpelverlust mit freiliegendem Knochen

Arthrose: Mehr zum Thema

Durch hohe Belastungen im Beruf oder beim Sport betrifft die klassische „Alterskrankheit” Arthrose immer mehr jüngere Menschen. Um so wichtiger ist es, vorzubeugen und Risiken zu minimieren. Ob „nur” Beratung oder modernste Therapie: Bei MedBaltic sind Sie in jedem Fall richtig.

Um Arthrose vorzubeugen, sollten Sie – insbesondere bei sportlichen Aktivitäten – auf gelenkschonendes Verhalten achten.

Falls Sie dazu Fragen haben beraten wir Sie gerne.

Vorbeugung: Kniegelenksarthrose

Diese einfachen Empfehlungen sollten Sie beachten um Ihre Knie zu schonen:

  • Vermeidung voller Kniebeugung im Sitzen
  • Vermeidung niedriger Sitzflächen zur Reduzierung der Belastung beim Aufstehen
  • Reduktion des Körpergewichts mittels Sport, körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung
  • Bevorzugung von stabilen Schuhen mit dämpfenden Sohlen und ggf. Einlagen (MBT-Schuhe); Vermeidung von modischen Schuhen mit hohen Absätzen
  • Bevorzugung von gelenkschonenden Sportarten: Kein Laufbandtraining; Besser: Fahrradfahren, Wassergymnastik (Aqua aerobics), Ski-Langlauf, gezieltes Training für Bauch, Rücken und Extremitäten

Operative Arthrosetherapie – Knie

Die operative Arthrosetherapie richtet sich nach dem Krankheitsstadium und dem Leidensdruck des Patienten. Es kommen vorbeugende Maßnahmen, operative Knorpelersatztechniken sowie schließlich ein künstlicher Gelenkersatz in Frage.

Zu den vorbeugenden Maßnahmen der operativen Arthrosetherapie zählen zum Beispiel operative Korrekturen von Fehlstellungen, die Beseitigung von Instabilitäten oder die Sanierung von den Gelenkmechanismus störenden Meniskusschäden bzw. die Entfernung freier Gelenkkörper.
Bei bereits vorhandenen begrenzten Knorpelschäden am betroffenen Gelenk kommen operative Knorpelersatztechniken als sekundär vorbeugende Maßnahmen in Frage. Als Endstrecke operativer und nicht operativer Maßnahmen für die Erkrankung ist die Versorgung mit einem künstlichen Gelenkersatz zu betrachten. Hier wird unterschieden zwischen einer Totalprothese, dem Austausch aller Gelenkpartner und dem teilweisen Ersatz. Am Kniegelenk ist es möglich nur den inneren Gelenkanteil mit einer Halbschlittenprothese zu ersetzen. Üblicherweise wird am Kniegelenk ein Oberflächenersatz (Doppel- oder Halbschlittenprothese gewählt).

Minimal-invasive „Schlüssellochtechniken” (Arthroskopie)

  • Behandlung von Meniskusläsionen (Naht oder Teilentfernung)
  • Knorpelersatztechniken
  • Lösung von Kapselgewebe
  • Schleimhautentfernung (Plicaresektion)

Bandersatztechniken

  • Ersatz des vorderen Kreuzbandes (heute in der Regel arthroskopisch assistiert durchgeführt)
  • Ersatz des hinteren Kreuzbandes (seltene Operation, die nur durch erfahrene Spezialisten durchgeführt werden sollte)
  • Rekonstruktion des Innenbandes (nur bei vollständigem Riss notwendig)
  • Ersatzplastik des inneren Kniescheiben-Oberschenkel-Bandes/MPFL (medialpatellofemoralen Ligament)

Umstellungsoperationen zur Achskorrektur

  • Aufklappender oder zuklappender Knochenschnitt (Osteotomie) am Schienbeinkopf bei O-Beinen (Genu varum)
  • Aufklappender oder zuklappender Knochenschnitt (Osteotomie) am kniegelenksnahen Oberschenkel bei X-Beinen (Genu valgum)

Korrekturoperationen am Kniescheibengleitlager (patellofemorales Gelenk)

Endoprothetischer Gelenkersatz im Kniegelenk

  • Oberflächenersatz durch Doppelschlitten
  • Oberflächenersatz durch Halbschlitten bei isolierter Arthrose im inneren Kniescheibengleitlager