Kinderorthopädie

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Dr.med. Marc Koch

Die Kinderorthopädie ist ein Spezialgebiet der Orthopädie, das sich mit angeborenen und erworbenen Deformitäten und Erkrankungen des Bewegungsapparates bei Kindern und Jugendlichen beschäftigt.
Auch in der Kinderorthopädie existiert eine weitere Spezialisierung.
Einzelne Zentren beschäftigen sich mit speziellen und seltenen Erkrankungen und Operationstechniken (z. B. „Deutsches Skoliosezentrum“ in Bad Wildungen, spezialisierte kinderhandchirurgische Abteilungen, neuropädiatrische Zentren, u. a.).

Hiervon abgesehen umfasst die allgemeine Kinderorthopädie jedoch das gesamte Spektrum kindlicher und jugendlicher Erkrankungen des Bewegungsapparates. In der Übersicht sind vor allem die folgenden Bereiche nennenswert:

An der Hüfte

sind dies z. B.

  • die Hüftdysplasie und Hüftluxation,
  • die kindliche Hüftkopfnekrose (Morbus Perthes) und
  • die Wachstumsfugenlösung/Hüftkopfgleiten (Epiphyseolysis capitis femoris).

An den unteren Extremitäten

gehören zu typischen kinderorthopädischen Krankheitsbildern u. a.

  • der Klumpfuß, Knicksenkfuß, Sichelfuß,
  • X- und O-Beinfehlstellungen (Genu valgum und Genu varum) und Beinverkürzungen.

Typische Wirbelsäulen-Fehlbildungen

  • die Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule)
  • die jugendliche BWS-Kyphose Morbus Scheuermann
  • das Wirbelgleiten (Spondylolisthesis)
  • die angeborene Querschnittlähmung/offener Rücken (Spina bifida)
  • der muskuläre Schiefhals (Torticollis)

Nicht organbezogene kinderorthopädische Erkrankungen

sind z. B.

  • die Spastik
  • die Muskeldystrophie (Morbus Duchenne u. a.)
  • bakterielle und rheumatische Gelenk- und Knochenentzündungen (Osteomyelitis, Arthritis),
  • gutartige und bösartige Weichteil- und Knochentumoren
  • Stoffwechselstörungen (z. B. Rachitis)
  • rheumatische Gelenk- und Weichteilerkrankungen

Erbliche Fehlbildungen

sind z. B.

  • die Glasknochenkrankheit (Osteogenesis imperfecta),
  • die Marmorknochenkrankheit (Osteopetrose),
  • knöcherne und knorpelige Dysplasien (z. B. Achondroplasie),
  • Wirbelkörperfehlbildungen sowie Fehlanlagen der Extremitäten sowie komplexe Mißbildungssyndrome

Nach einer amerikanischen Studie haben etwa 50 % aller Kinder und Jugendlichen mindestens einmal einen Knochenbruch, und etwa 40 % mindestens einmal ein orthopädisches Problem. Dabei überwiegen die konservativ oder gar nicht behandlungsbedürftigen Fehlstellungen. So haben 20 % aller Kinder und Jugendlichen Knicksenkfüße oder flexible Plattfüße, 15 % eine vermehrte Hüft-Antetorsion (Coxa antetorta), weitere 15 % einen gutartigen Knochentumor oder eine tumorartige Knochenveränderung. Es folgen die Spondylolyse mit 5 %, der Sichelfuß mit 3 % und die Skoliose mit 3 % bei Mädchen. Bei 2 % findet sich eine Hüftdysplasie. Alles weitere ist seltener als 1:100.

Nach einer Schätzung von Prof. Dr. F. Hefti ist in 70 % aller kinderorthopädischer Konsultationen lediglich eine Beratung notwendig, „dass das Kind gerade genug ist“.

In etwa „20 % sei eine konservative Behandlung” notwendig, etwa mit Einlagen, Orthesen, Korsette, Physiotherapie oder Gipsbehandlung. Neuerdings wird auch Botulinumtoxin eingesetzt, um überaktive Muskeln z. B. bei einer Spastik vorübergehend zu lähmen.
Nur in etwa 10 % ist eine chirurgisch-operative Therapie vonnöten. Typische kinderorthopädische Eingriffe sind vor allem knöcherne Umstellungs-Operationen, z. B., an der Hüfte bei Hüftdysplasie oder Morbus Perthes, oder am Ober- bzw. Unterschenkelknochen bei X- oder O-Beinen. Auch Sehnenverlängerungen oder -Durchtrennungen (Tenotomien) sind häufig, z. B. beim spastischen Spitzfuß oder Kontrakturen. Weitere Eingriffe sind z. B. die Wirbelsäulenversteifung (Spondylodese) bei Skoliosen, die Verblockung der Wachstumsfugen (Epiphyseodese) bei Fehlstellungen oder die Extremitätenverlängerung mittels Ilizarow-Distraktion.