Rheumaorthopädie

Ihre Ärzte

Dr. med. Wolfgang Kohlsche

Die Rheumaorthopädie hat in den letzten Jahren einen deutlichen Wandel erfahren. Dank der Entwicklung neuer Rheumamittel (Basistherapie) und vor allem lokalen Therapie der befallenen Gelenke (v. a. Kortison, Radiosynorviorthese) sind die in früheren Jahren oft gesehenen starken Zerstörungen zurückgegangen. Für Patienten mit befallenen Gelenken und Gelenkzerstörungen stehen meist verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Auswahl. Dem Rheumaorthopäden kommt die entscheidende Rolle zu hinsichtlich der Beratung und Betreuung der Patienten sowie – falls möglich und notwendig – der Planung des Eingriffs. Die Wahl des Operationsverfahrens richtet sich individuell nach dem betroffenen Gelenk, dem Zerstörungsgrad und den persönlichen Bedürfnissen des Patienten. Die Aufklärungsarbeit erfordert viel Zeit, öfters sind wiederholte Gespräche bis zur endgültigen Entscheidungsfindung notwendig. Wichtig ist der möglichst frühe Beginn der Behandlung, dann besteht die Chance, mit gelenkerhaltenden Verfahren oder zumindest kleineren Prothesenvarianten auszukommen.

Operationsverfahren

Gelenkerhaltende Eingriffe (Synovektomien)
der großen und kleinen Gelenken können meist im Frühstadium, am Ellenbogen auch später erfolgen, oft schonend mittels arthrokopischer Technik.

Gelenkrekonstruierende Verfahren (Arthroplastiken)
kommen für Ellenbogen, Finger- und Zehengelenke in Betracht. Ein klassischer und für die Patienten äußerst gewinnbringender Eingriff ist die komplette Vorfußkorrektur beim schwer zerstörten rheumatischen Fuß.

Rheumatische Vorfußdeformität

Rheumatische Vorfußdeformität – vor und nach Operation
(komplette Vorfußkorrektur beidseits)

Rheumatische Vorfußdeformität - Röntgenaufnahmen

Rheumatische Vorfußdeformität – Röntgenaufnahmen vor und nach Operation

Gelenkversteifende Operationen (Arthrodesen)
sind überwiegend auf Gelenke von Hand und Fuß beschränkt. Ziel ist die stabile, belastungsfähige Situation. Viele Patienten stehen dem Operationsverfahren zunächst skeptisch gegenüber, hier ist besonders die gute und verständliche individuelle Aufklärung gefordert. Zum anderen ist die Arthrodese eine Rückzugsmöglichkeit nach Versagen anderer Operationen.

Rheumatische Handgelenkszerstörung - Röntgenaufnahmen

Rheumatische Handgelenkszerstörung – Röntgenaufnahmen vor und nach Operation (Versteifung des Handgelenkes)

Zerstörung Daumenendgelenk - vor und nach Operation (Versteifung des Daumenendgelenkes rechts)

Zerstörung Daumenendgelenk – vor und nach Operation (Versteifung des Daumenendgelenkes rechts)

Der endoprothetische Ersatz ist für den behinderten und schmerzgeplagten Patienten meist segensreich und kommt in erster Linie für schwer zerstörte Hüft-, Knie- und Schultergelenke in Frage, ferner für Fingergelenke und oberes Sprunggelenk. Minimalinvasive Techniken reduzieren die Operationswunde und erleichtern die Rehabilitation, die Navigation verbessert die Präzision der Implantation. Bei den oft jungen Patienten müssen Rückzugsmöglichkeiten für spätere Eingriffe bei der Primärimplantation bedacht werden, es sollten nach Möglichkeit kleine Prothesenvarianten eingesetzt werden. Bei oft eingeschränkter Stützfunktion der Arme ist eine sofortige volle Belastbarkeit des Implantates bei Hüfte und Knie anzustreben.

Rheumatische Zerstörung Fingergrundgelenke - vor und nach Operation

Rheumatische Zerstörung Fingergrundgelenke – vor und nach Operation

Rheumatische Zerstörung Fingergrundgelenke - Röntgenaufnahmen vor und nach Operation

Rheumatische Zerstörung Fingergrundgelenke – Röntgenaufnahmen vor und nach Operation (Implantation von Fingergrundgelenksprothesen)

Als Weichteileingriffe kommen in Betracht: Tenosnovektomien (Entfernung der entzündeten Sehnenscheideninnenhaut an Hand und Fuß), Rekonstruktionen von gerissenen Sehnen (z. B. Strecksehnen der Hand), Entfernung von Schleimbeuteln, Rheumaknoten sowie Entfernung von Cysten (z. B. Bakercyste Knie).

Sehnenscheidenentzündung Beugesehnen Handgelenk – vor und nach Operation (Tenosynovektomie)

Sehnenscheidenentzündung Beugesehnen Handgelenk – vor und während der Operation (Tenosynovektomie)

Fast alle dieser Operationen sind Wahloperationen, die sorgfältig geplant werden können.?Rheumatologische „ Notfälle” sind selten. Zu diesen gehören Druckschäden des Rückenmarkes der Halswirbelsäule (Lähmungen und Gefühlsstörungen an Armen und Beinen, Gangstörungen), Druckschäden an Nerven (z.B. Carpaltunnelsyndrom) sowie Sehnenrisse (z.B. Strecksehnen der Hand). Diese Situationen erfordern zügige Diagnostik und Therapie.
Mit der Operation ist aber nur der erste Schritt getan, für das Gelingen jeder Operation ist die Nachbehandlung mit einer guten Zusammenarbeit von Operateur, Hausarzt, internistischem Rheumatologen, ggfs. AHB Klinik, Physiotherapeuten, orthopädischem Schuhtechniker sowie Ergotherapeuten entscheidend wichtig .

rheumatische Fußdeformität – Einlagenversorgung (Korklederschaleneinlagen in Sonderanfertigung)

Rheumatische Fußdeformität- Einlagenversorgung
(Korklederschaleneinlagen in Sonderanfertigung)

Handgelenksversteifung und Strecksehnenrekonstruktion – Versorgung mit dynamischer Handgelenksschiene

Handgelenksversteifung und Strecksehnenrekonstruktion – Versorgung mit dynamischer Handgelenksschiene

Dr. med. Carl Christian Büll

Die rheumatischen Erkrankungen werden oft fälschlicherweise mit verschleißbedingten Erkrankungen (Arthrose) verwechselt. Beim sogenannten entzündlichen Rheuma handelt es sich primär nicht um einen Verschleißschaden, sondern um eine Entzündung der Gelenkschleimhaut, die zu einer Gelenkzerstörung führen kann. Innerhalb der Rheumaerkrankungen gibt es viele Untergruppen.

Die chronische Polyarthritis ist die Rheumaerkrankung, die sehr häufig zu Gelenkveränderungen führt. Nach Sicherung der Diagnose und Einordnung der Erkrankung wird zuerst immer eine medikamentöse Basistherapie eingeleitet. Diese Basismedikamente haben in den letzten Jahren zu einer deutlichen Verbesserung der Therapie geführt. Schlagen die Medikamente im ersten Halbjahr nicht so, wie gewünscht, für die betroffenen Gelenke an, wird eine operative Schleimhautentfernung, die heute durch eine Gelenkspiegelung, oder in offener Technik durchgeführt werden kann angeboten, damit das Gelenk durch die chronische Entzündung nicht weiter zerstört wird.

Finden sich bereits Gelenkzerstörungen, so können Gelenkneuformungen (Arthroplastiken) oder Kunstgelenke (Endoprothesen) angeboten werden.

Auch Sehnen können von der rheumatischen Erkrankung befallen werden, wobei hier die Sehnenscheide die eigentlich entzündliche Ursache ist. Bei drohendem Sehnenriss muß hier früh genug zur Operation geraten werden, damit keine irreparablen Dauerschäden entstehen.

Auch gezielte Gelenkversteifungen (Arthrodesen) können dauerhaft Schmerzen beheben und müssen nicht immer mit einem schweren Funktionsverlust einhergehen.